[Sprechstunde] Meine Famulatur in der Kinderklinik


Die Semesterferien neigen sich dem Ende und so langsam wird es Zeit, dass ich euch von meiner letzten Famulatur im August erzähle. Praktikumsberichte zu meiner Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, beim Hausarzt und in der Notaufnahme findet ihr hier auf meiner Über mich-Seite! Ich habe alle Posts, die etwas mit dem Thema Medizin zu tun habe seit neustem unter dem Titel Sprechstunde aufgelistet. Wenn euch so etwas interessiert, dann schaut dort doch gerne mal vorbei! Heute soll es aber wie gesagt um meine Praktikum gehen, das ich in der Kinderklinik des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt abgeleistet habe.

In den letzten Monaten hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass Pädiatrie das ist, was ich machen möchte. Mir hat die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Psychiatrie super viel Spaß gemacht, ich fand es deutlich angenehmer als mit Erwachsenen. Außerdem finde ich an der Kinderheilkunde toll, dass man nicht so in eine Richtung festgelegt ist. Von Knochenbrüchen über Lungenentzündungen bis zu Gehirnerschütterungen ist einfach alles dabei, was die Medizin an Krankheitsbildern so zu bieten hat. So kann es nicht so schnell langweilig werden! Weil ich in der Psychiatrie aber hauptsächlich mit älteren Kindern zu tun hatte, wollte ich auch noch ein Praktikum machen, in dem ich mit Kleinkindern und Babys arbeiten kann, um zu sehen, ob mir auch dieser Teil der Arbeit gefällt. Deswegen habe ich mich nach einem Famulaturplatz in den Kinderkliniken der Umgebung umgesehen.

Meine erste Anlaufstelle war die Uniklinik hier in Würzburg. Leider werden dort nur Famulanten genommen, die ihre Doktorarbeit in der Pädiatrie schreiben, was bei mir nicht der Fall ist. Also habe ich weiter gesucht und mich im Missio gemeldet, einer anderen Klinik in Würzburg. Dort waren die Plätze aber schon für die nächsten zwei Jahre (!!!) ausgebucht. Kein Wunder, wenn ja auch kaum einer an der Uniklinik genommen wird. Eine andere Alternative als das Missio bleibt hier dann ja nicht. Außer man fährt ein bisschen weiter raus. Eine Freundin hat mir das Leopoldina Krankenhaus in Schweinfurt empfohlen. Sie hat selbst dort in der Kinderklinik famuliert und fand es super. Also habe ich meine Bewerbung dort hin geschickt und nach wenigen Tage die Zusage gehabt. Schweinfurt sollte es also werden!

Mein eigentlicher Plan war es mit dem Zug zu pendeln. Mit dem Weg zum Bahnhof etc. wäre ich damit locker mehr als eine Stunde unterwegs gewesen. Da ich eh schon länger mit dem Gedanken gespielt habe mir ein Auto zu kaufen, wurde dieser Plan dann etwas schneller als gedacht in die Tat umgesetzt und ich habe mir im Juni meinen Ford Fiesta gekauft. Damit war der Zug vom Tisch und ich fing Anfang August an mit dem Auto nach Schweinfurt zu pendeln. Damit war ich ziemlich genau 45 Minuten unterwegs, was ich persönlich noch als in Ordnung empfand. Stau gab es fast nie, so dass man die 50km pro Fahrt eigentlich immer recht zügig hinter sich gebracht habe. Außerdem habe ich in der Klinik zwei nette PJlerinnen (PJ = Praktisches Jahr im 11./12. Semester) kennen gelernt, mit denen ich dann eine Fahrgemeinschaft gebildet habe, was die Spritkosten pro Person natürlich auch erheblich senkte. Am Ende habe ich nur etwas mehr bezahlt, als ich für das Zugticket hätte zahlen müssen. Geld gespart habe ich also nicht, aber dafür jede Menge Zeit!

Jetzt aber genug zum ganzen Drumherum, lasst uns einen Blick in die Klinik werfen. Die Kinderklinik umfasst drei Stationen, zwei normale und eine Intensivstation. Vielleicht sind es eher dreieinhalb, es gibt nämlich auch noch die Wöchnerin-Station nebenan, auf der die Kinderärzte nach der Geburt natürlich auch immer mal wieder vorbei schauen. Neben den Stationen gibt es noch eine Ambulanz/Notaufnahme, in die Kinder zum Verbandswechsel, Nachsorge, aber eben auch mit Notfällen kommen. Ich habe mein Praktikum auf Station begonnen, habe dann auf die Intensiv gewechselt, war dann auch noch in der Ambulanz und am Ende noch einmal abwechselnd auf Station und Ambulanz, je nachdem wie es uns Praktikanten am besten gepasst und wo sozusagen gerade Platz für einen von uns war. 

Kommen wir damit auch gleich zu meiner Zeit auf Station und ein "Problem", das es dort gab. Problem ist vielleicht ganz so der richtige Begriff dafür, aber nach einer Weile hat es mich einfach ein bisschen genervt. Mit mir zusammen hat nämlich auch ein neuer Assistenzarzt in der Kinderklinik angefangen. Er kam aus Syrien, hat dort schon drei Jahre in der Pädiatrie gearbeitet und will nachdem er hier eine Arbeitserlaubnis bekommen hat seine Ausbildung beenden. Aber natürlich muss ein neuer Mitarbeiter auch eingearbeitet werden. Das heißt neben mir als Famulantin, die vom Stationsarzt überall hin mitgeschleppt wird, der alles gezeigt und erklärt werden muss, war auch immer noch der neue Assistenzarzt dabei. Und ihm müssen natürlich auch viele Organisatorische Dinge erklärt werden, die für mich weniger relevant waren und die auch aufgrund der Sprachbarriere (obwohl er wirklich schon sehr gut Deutsch gesprochen hat) einfach auch viel Zeit in Anspruch genommen haben. Das war dann leider oft etwas langweilig. Auch wurden viele Aufgaben, die sonst gerne an Praktikanten abgegeben werden an ihn delegiert, schließlich muss er sich ja einarbeiten und die Kollegen müssen auch sehen, was er alles kann und wo man vielleicht noch einmal helfen und erklären muss. Für diese Situation kann niemand was und ich bin auch niemanden böse, ich war vielleicht einfach zur falschen Zeit am falschen Ort! ;) Abgesehen davon hat es mir auf Station sehr gut gefallen, die Ärzte und Schwestern waren super nett, man bekommt einen guten Einblick in die Stationsarbeit und natürlich durfte ich auch ein paar Dinge machen. Blut abnehmen, Nadeln legen, Akten ergänzen, Briefe diktieren (was am Anfang total ungewohnt und komisch ist, vor allem wenn jemand mit im Raum ist) und ansonsten wie bei allen Famulaturen auch einfach viel Zuhören. Ich muss sagen, dass mir diese Mischung aus ärztlichen Tätigkeiten und den organisatorischen Schreibtischarbeiten eines Stationsarztes sehr gut gefallen haben und mir auch viel Spaß machen würden.

Da es dann aber doch etwas anstrengend wurde überall immer als zweites Anhängsel mit zu laufen, bin ich dann für ein paar Tage auf die Intensivstation gegangen. Das war der Teil des Praktikums, der mir am wenigsten gefallen hat. Vielleicht war es aber auch ein bisschen meine eigene Schuld. Es war die Woche vor meiner letzten großen Prüfung und ich war mit den Gedanken oft wo anders, habe ich zwischendurch immer wieder gelernt und so vielleicht auch nicht den Eindruck vermittelt, dass ich Interesse an der Intensiv habe und dort auch etwas sehen möchte. Das Problem war einfach, dass die Ärzte, die dort waren mich wenig aktiv mitgenommen habe. Am Anfang bin ich immer direkt mit aufgestanden, wenn einer den Stützpunkt verlassen hat und hinterher gedackelt. Aber oft ging es dann doch nur Richtung Toilette oder nur kurz etwas in einer Patientenakte vermerken. Also bin ich irgendwann nicht mehr jedes Mal hinterher gelaufen. Dann passiert aber halt sowas, dass ich im Stützpunkt sitze und der eine Arzt zu mir mein "Willst du nicht mit runter in den Kreissaal? Die anderen sind gerade unterwegs nach unten. Wenn du dich beeilst, erwischst du sie noch!" Ich renn also los, in einem Krankenhaus, in dem ich mich nicht auskenne und suche einen Raum, in dem ich noch nie war anstatt, dass man mir einfach zwei Minuten früher Bescheid sagt. Ich saß ja nicht sonst wo, sondern mitten auf Station am Stützpunkt. Solche Situationen fand ich etwas schade. Viel konnte ich auf der Intensivstation nicht machen. Ich denke, es liegt eben auch ein bisschen an mir selbst, aber auch ein bisschen an den Ärzten dort. Im PJ möchte ich gerne in die Klinik zurück und werde dann versuchen mich mehr einzubringen! Dann habe ich ja keine Prüfungen mehr in naher Zukunft über die ich mir den Kopf zerbrechen muss.

Der dritte Teil in meiner Rotation war dann die Ambulanz. Dort hat es mir am besten gefallen! Es gab zwar auch Tage, an denen wirklich wenig los und die dann etwas langweilig waren beziehungsweise sich einfach in die Länge gezogen haben. Die meiste Zeit konnte ich hier aber viel machen und durfte auch selbstständig arbeiten. Von Patientenaufnahme und -untersuchung über Durchführung klinischer Tests und Blutabnahmen bis zu organisatorischem Sachen wie Briefe schreiben. Es war also wirklich sehr abwechslungsreich, was die Aufgaben und natürlich auch die Patienten anging. Es waren überbesorgte Eltern dabei, denen Kinderarzt im Urlaub war und die dann die Notaufnahme als erste Anlaufstelle sehen, aber natürlich auch ernstere und deutlich spannendere Sachen. Während ich in den anderen Bereichen situationsbedingt also durchaus auch negative Punkte zu beanstanden habe, war es in der Ambulanz wirklich toll und hat mir am meisten Spaß gemacht!

Bevor ich ein paar zusammenfassende Worte schreibe, möchte ich noch ein bisschen etwas zu den  Rahmenbedingungen der Klinik erzählen. Oben habe ich ja schon die Fahrsituation geschildert, wollen wir also gleich mit dem Parken weiter machen. Das war überhaupt kein Problem, in der Nähe des Klinikums gab es einen kostenlosen großen Parkplatz, von dem man noch etwa 5 Minuten in die Klinik laufen musste. Kleidung wurde einem gestellt, außerdem gab es einen Caféteria-Schein, mit dem man als Praktikant jeden Tag ein warmes, sehr leckeres Mittagessen bekommen hat. Das fand ich wirklich super - in vielen anderen Kliniken ist das nämlich nicht so. Gehalt beziehungsweise eine Aufwandsentschädigung wie es so schön genannt wird gab es nicht. Das kommt dann erst im Praktischen Jahr. Zusätzlich zum normalen Klinikalltag kamen noch tägliche Seminare in den verschiedensten Bereichen (Ultraschall, EKG, Pathologie, Chirurgie, Radiologie,...) dazu, die zum Ausbildungsprogramm für Famulanten und PJ-Studenten der Klinik gehören.  Auch das empfand ich als sehr toll organisiert und finde die Möglichkeit die den Studenten dadurch geboten wird super!

Wenn ihr es bis hier hin geschafft habt, seid ihr wahrscheinlich genauso platt wie ich! Der Post ist jetzt doch länger geworden als ich gedacht hätte! :D Eine Sache habe ich aber noch nicht wirklich erwähnt. Am Anfang habe ich geschrieben, dass ich dieses Praktikum machen wollte, um zu sehen wie mir die Arbeit mit vor allem jüngeren Kindern gefällt. Und ich kann sagen, sie hat mir sehr gut gefallen! Ich hatte Angst, dass ich mich im Umgang mit Klein- und Schulkinder etwas doof anstelle, aber das war wirklich gar kein Problem. Bei Babys habe ich immer noch so eine kleine Hemmschwelle. Ich habe einfach bisher nicht mit vielen Babys zu tun gehabt, da sitzen die Handgriffe noch nicht so wirklich, aber das wird schon! :D Alles in allem hat mir das Praktikum also sehr gut gefallen und ich würde es jedem aus dem Raum Würzburg empfehlen, der die Pädiatrie näher kennen lernen möchte und wie ich keinen Platz an der Uni oder im Missio bekommen hat! Es war abwechslungsreich, interessant, das Team war super nett und das ganze Außenherum der Klinik fand ich auch sehr gut. Ein Manko ist wohl die Entfernung, aber das würde ich auch noch einmal in Kauf nehmen, wenn mir dadurch ein so schönes Praktikum oder nächstes Jahr dann PJ-Tertial ermöglicht wird.

Ich denke jetzt habe ich alles wichtige erwähnt! Falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, sei es weil ihr euch allgemein für das Thema Medizin interessiert oder aber auch weil ihr selbst Student seid und auf der Suche nach einem Famulaturplatz seid, dann scheut euch nicht diese Fragen in den Kommentaren zu stellen! :) Allgemein würde es mich auch interessieren, wie ihr mehr Beiträge zum Thema Medizin & Studium finden würdet und was ihr dazu gerne lesen würdet. Bis dahin wünsche ich euch noch einen schönen Abend und morgen einen tollen Start ins Wochenende!

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