[Sprechstunde] Meine Famulatur in der Notaufnahme


Hallo Ihr! :) Es waren wieder Semesterferien und das heißt auch, dass es wieder Zeit für eine Famulatur war. Eine klinische und meine Hausarztfamulatur habe ich ja schon hinter mir. Als nächstes wollte ich meine ambulante Famulatur machen und habe mir hierfür eine Würzburger Notaufnahme ausgesucht, in der ich 30 Tage gearbeitet habe...ok, das ist vielleicht übertrieben. Ich habe 30 Tage famuliert! ;)

Für alle, die nicht wissen, was eine Famulatur ist: Im Medizinstudium muss man vom fünften bis zum zehnten vier Praktika à 30 Tage in den Ferien absolvieren und diese nennt man eben Famulaturen. Die Berichte zu meinen bisherigen Famulaturen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und beim Hausarzt könnt ihr hier und hier nochmal nachlesen! Vor allem im ersten Post findet ihr auch noch ein paar mehr Informationen über den Aufbau des Studiums und die Praktika im Allgemeinen. :)

Jetzt aber zum eigentlichen Thema! Für die chirurgische Notaufnahme habe ich mich entschieden, weil ich ein paar grundlegende Dinge üben wollte: Blut abnehmen, Zugänge legen, Nähen, Verbände anlegen, Anamnesegespräche führen, Röntgenbilder auswerten, Untersuchungen durchführen und so weiter. All das durfte ich auch machen, allerdings kam es doch sehr auf den Arzt an, ob man eher passiver Zuhörer war oder auch mal selbst mit ran durfte. Insgesamt war aber auch diese Famulatur wieder viel vom Sitzen und Zuhören geprägt. 

Ein Grund dafür waren wohl die Vielzahl der BG-Fälle, die in die Notaufnahme kamen. Das sind Patienten, die einen Arbeitsunfall hatten und deswegen von einer Klinik/Praxis mit berufsgenossenschaftlicher Zulassung zuerst gesehen und auch weiter behandelt werden müssen. Und diese Patienten können einfach etwas langweilig sein. Vor Monaten den Arm verletzt, brauchen sie jetzt immer noch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und ein neues Rezept für irgendwelche Schmerzmittelchen. Manchmal wurde dann nochmal eine Kontrolluntersuchung oder ein Röntgen gemacht, aber viele kamen auch nur für solche Kleinigkeiten, was für mich als Famulantin dann nicht ganz so spannend war.

Während aber einige Arbeitsunfälle wirkliche Unfälle waren und man das (zum Teil auch sehr lang andauernde) Leiden der Patienten nachvollziehen konnte, gab es auch solche, die man am liebsten postwendend wieder rausgeschmissen hätte. Ich erinnere mich an einem Herrn, der einen Bienenstich erlitten hatte und sich nicht mehr in der Lage gesehen hatte zu arbeiten oder an eine Fraue, die aufgrund eines Oberarmbruchs vor einem Dreivierteljahr nicht zu ihrem Bürojob zurückkehren konnte, weil es ihr nicht möglich war die Computermaus zu bewegen. 

Wenn man bei sowas vielleicht noch ein Minimum an Verständnis aufbringen könnte, weil BG-Fälle nunmal in einer entsprechenden Klinik/Praxis versorgt werden müssen und das in Würzburg unter anderem diese Notaufnahme ist, war man bei manch einem Patienten mit Privatunfall nur noch sprachlos. Man kann sich gar nicht vorstellen mit was für Lächerlichkeiten manche Leute in die Notaufnahme kommen, die Zeit des eh schon überarbeiteten Personals in Anspruch nehmen, dann noch über die lange Wartezeit meckern und genau diese für Patienten mit echten Problemen verlängern. Mein Lieblingsgrund für ein Aufschlagen in der Notaufnahme ist ja immer noch "Mein Hausarzt ist gerade im Urlaub und bei der Vertretung ist es immer so voll." oder auch "Den Termin beim Orthopäden habe ich aber erst in zwei Wochen und ich wollte es gerne jetzt schon abgeklärt haben." Da weiß man manchmal wirklich nicht, ob man Weinen oder Lachen soll!

Wenn man in einer Stadt mit einer Uniklinik lebt und nicht in dieser arbeitet oder famuliert, dann ist es natürlich klar, dass einem die ganz besonders spannenden Notfälle entgehen. Die kommen nämlich immer direkt in die Uniklinik, die mit einem Hubschrauberlandeplatz, einer extra Kopfklinik und allgemein mit mehr Mitteln und Geräten ausgestattet ist. Trotzdem habe ich auch in dem etwas kleineren Krankenhaus viel gesehen. Schnittverletzungen, Platzwunden,  Stürze und Autounfälle waren unter anderem dabei. Vor allem über die ersten beiden Punkte habe ich mich immer etwas gefreut. Auch wenn das jetzt sehr gemein klingt und ich natürlich niemandem eine Platzwunde wünsche, hieß es für mich doch, dass ich nähen durfte. Und das macht einfach Spaß! :D

Insgesamt hat mir die Famulatur wieder gut gefallen! Das Team war wirklich sehr nett und hat mir bei Fragen immer weiter geholfen und mir Sachen erklärt und gezeigt. Ich habe aber gemerkt, dass Orthopädie und wahrscheinlich auch Chirurgie nichts für mich ist. An Ersterem habe ich einfach kein so großes Interesse und finde es irgendwie langweilig und bei Zweiteren stören mich die Arbeitsrahmenbedingungen, wie zum Beispiel Arbeitszeiten und -klima. Naja, aber auch Fachrichtungen für sich auszuschließen ist ein Schritt in die richtige Richtung! :D

Für die Patienten war ich zwar weiterhin immer die Schwester, aber ich habe so langsam das Gefühl, dass es Richtung Arzt geht. Man ist sich bei den grundlegenden oben genannten Sachen immer sicherer und auch wenn nicht alles beim ersten Mal klappt, hat man trotzdem das Selbstvertrauen es einfach immer wieder zu versuchen und lässt sich davon nicht völlig verunsichern. ;) Im August steht dann meine letzte Famulatur an, die ich wieder in einer Klinik stationär absolvieren muss. Wohin es genau geht, weiß ich aber noch nicht!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen