[A lion's story] Was willst du mal werden?


Heute möchte ich euch mal wieder ein bisschen was aus meinem Leben erzählen. Zwei Drittel meines Studiums sind rum und nächstes Jahr beginnen schon die letzten drei praktischen Semester. Und das wissen Freunde, Verwandte und Dozenten - naja, und ich auch. Und schon kommt die Frage auf: Und was für ein Arzt willst du denn mal werden?

Aber bevor es darum geht, lasst uns mal zurückblicken. Der erste Berufswunsch, an den ich mich erinnern kann, ist Tierärztin. Das muss zu Beginn der Grundschule gewesen sein. Ich habe mir vorgestellt, wie toll es wohl wäre den ganzen Tag kleine Hasen und Hunde streicheln zu können und all den süßen Tieren zu helfen. Dann kam die Realität und ich habe im Fernsehen gesehen, wie ein Tierarzt einer Kuh seinen Arm in den Allerwertesten gesteckt hat. Da war es dann vorbei mit dem Traum von Tierarzt-Dasein.

Gegen Ende der Grundschul- und zu Beginn der Gymnasialzeit wollte ich Lehrerin werden. Wie wohl die meisten Kinder, ist es doch auch der Beruf, mit dem wir alle in unserer Kindheit am intensivsten Kontakt haben. Ich habe für diesen Traum daheim auch fleißig geübt. Wir hatten eine Tafel bei uns im Zimmer hängen, Kreide war natürlich auch in allen Farben vorhanden und so haben meine Schwester und ich stundenlang "Schule" gespielt. Ich habe ihr Stundenpläne erstellt, Arbeitsblätter vorbereitet und versucht ihr Mathe, Französisch und Biologie beizubringen, während sie Hausaufgaben gemacht, Hefteinträge von der Tafel abgeschrieben und zum Teil sogar mehrere Schüler parallel verkörpert hat. Ich hatte hohe Erwartungen an meine Klasse! :D Warum ich damals von diesem Wunsch abgelassen habe, weiß ich nicht genau. Heute ist mir aber klar, dass ich keine Lust auf unmotivierte Kinder und Teenager hätte, denen ich Sachen erklären muss, die sie eigentlich gar nicht interessieren. Obwohl Schulferien ja schon wieder verlockend wären! ;)

Dann kam die Architektur-Phase. Ich mochte den Kunstunterricht eigentlich immer sehr gerne und fand vor allem die kleinen Design-Projekte, die wir zwischendurch hatten super. Von Bungalows und Häusern, über Stühle und Uhren war da alles dabei. Vor allem Innenarchitektur hat mich interessiert. Das hat dann aber auch recht schnell wieder nachgelassen, als mir doch klar wurde, dass ich zwar kreativ bin und auch recht gut zeichnen, basteln etc. kann, es aber viele gibt, die einfach viel mehr Talent haben und in solchen Berufen besser aufgehoben sind als ich. Kunst als Schulfach habe ich allerdings bis zum Ende gerne gemocht und sogar meine mündliche Abiprüfung in Kunst gemacht. 

So in der 10. Klasse ging es dann schon mehr in die Richtung, von dem, was ich heute mache. Ich wollte Psychologie studieren. Mich hat die Psyche und das Gehirn des Menschen einfach total fasziniert. Weshalb Menschen eben so reagieren, wie sie reagieren. Wieso einige Menschen psychisch krank sind und andere nicht. Und wieso manche Menschen zu Gewalt neigen und was das mit ihren Opfern macht. Ich habe zum Beispiel einige Bücher zum Thema Multiple Persönlichkeitsstörungen gelesen, was mich auch heute noch total interessiert. Dass das Gehirn in der Lage ist bei größten Misshandlungen ein Kind durch Abspaltungen der Persönlichkeit zu schützen und dass diese Persönlichkeiten sich in Geschlecht, Alter, Sprache, Verhalten und sogar Schrift unterscheiden, finde ich faszinierend und irgendwie unvorstellbar. Und genau das wollte ich verstehen und lernen und habe mir deswegen überlegt, Psychologie im Bachelor und dann etwas in die Richtung Neurowissenschaften im Master zu studieren. Hätte ich meinen heutigen Studienplatz nicht bekommen, wäre das wohl auch mein Plan B gewesen.

Am Ende schließt sich ja bekanntlich der Kreis und ich bin im Laufe der Oberstufe wieder am Anfang angekommen. Medizin sollte es werden. Und diesmal nicht Tier-, sondern Humanmedizin. Ich kann ehrlich gesagt gar keinen Zeitpunkt oder ein Ereignis benennen, das mich von Psychologie auf Medizin umschwenken hat lassen, irgendwie hat sich das einfach so langsam entwickelt. Auf jeden Fall ist es aber auch bei Medizin so, dass es mich total fasziniert hat, wie unser Körper und unser Gehirn das alles leisten können, was wir halt den ganzen Tag so machen. Wie Muskeln, Nerven, Herz und Hirn zusammenspielen. Dass ich hier sitzen kann und ohne jegliche Anstrengung oder darüber nachzudenken diesen Text tippe. Dass man Gefühle entwickelt und auch da vieles nicht steuerbar ist, sondern einfach unbewusst passiert. Dass einfach die ganze Zeit im Hintergrund ein riesiger "Computer" am Laufen ist, ohne dass wir es merken. Das war am Anfang wirklich so mein eigentlicher Grund mich für den Medizin-Studienplatz zu bewerben. Heute ist es mehr als das. Ich will helfen und heilen. Ich glaube, dass ich in den letzten vier Jahren sehr viel empathischer geworden bin und viele meiner alten Prinzipien über Bord geworfen und mir neue angeeignet habe. Aber darüber könnte man wahrscheinlich einen ganz eigenen Post schreiben! :D

Jedenfalls studiere ich jetzt im 8. Semester in Würzburg Humanmedizin. 4,5 Semester liegen noch vor mir und davon sind 3 praktisch. Zum Teil sind die Fachrichtungen vorgeschrieben, zum Teil hat man aber auch eine gewisse Entscheidungsfreiheit und man kann sich überlegen, welche Fachrichtungen man sich genauer ansehen will. Da ist es also selbstverständlich, dass einen andere, aber auch man selbst sich die Frage stellt: Was will ich denn jetzt eigentlich mal werden?

Die Antwort ist leicht: Ich weiß es nicht. Manche meinen, im 8. Semester sollte man das doch langsam mal wissen, das Studium neigt sich ja dem Ende. Ich denke aber, dass man sich noch gar nicht festlegen kann. Wir haben viele Fächer in der Theorie kennen gelernt, manche auch ein wenig praktisch, aber von einigen haben wir auch noch gar keine Ahnung. Man schließt also ein paar Fachrichtungen aus, ein paar andere kommen in den engeren Kreis und manche bleiben irgendwo mit einem großen Fragezeichen stehen.

Mein großer Favorit ist im Moment Pädiatrie, also Kinderheilkunde. Aber ob das die nächsten zwei Jahre auch so bleibt, weiß ich nicht. Schließlich wollte ich auch schon unbedingt Chirurgin werden, fand die Psychiatrie klasse und konnte mir ein Leben als Rechtsmedizinerin vorstellen. Ihr seht, nur weil man sich nach dem Schulabschluss für eine Ausbildung entschieden hat, weiß man noch lange nicht, was man eigentlich werden will. Eines weiß ich aber mit Sicherheit schon jetzt: Ich werde Arzt.

Jetzt würde mich interessieren, wie das denn bei euch so aussieht! Was waren eure Berufswünsche als Kind? Und was macht ihr heute? Hat sich was geändert oder seid ihr genau da, wo ihr schon als kleiner Knirps stehen wolltet? :)

Und wenn ihr noch mehr über mich und mein Studium erfahren wollt, dann schaut doch mal auf meiner Über Mich-Seite hier vorbei! 

Kommentare:

  1. Wirklich klasse, so einen Post zu lesen. :) Ich bin mir sicher, wenn es soweit ist, wirst du dir schon die passende Fachrichtung aussuchen. ;-)
    Ich war eines dieser Kinder, die keinen Berufswunsch hatten. :D Lehrerin wollte ich nie werden, war für mich immer ein Alptraum. :D So erging es mir bis in die Oberstufe hinein. Ich habe immer alles ausgeschlossen, was in diesen schlauen Orientierungsbüchern stand und Tests haben ergeben, dass ich ein Allrounder bin und keine speziellen Fähigkeiten oder Tendenzen habe - na super. :D Lebensmittelchemie hatte ich dann kurz ins Auge gefasst, mein Chemie-Leistungskurs hat mir das aber ausgetrieben. Bibliothekarin stand auch kurz im Raum, weil ich in der 10. ein cooles Praktikum in der Bib gemacht habe. Aber letzten Endes studiert man da ewig, um dann "Psscht!" zu machen und Bücher einzusortieren. Aufsteigen kann man auch kaum... naja. Meine Mutter brachte mich auf Logistik, weil ich schon immer ein kleines Organisationstalent war. Nach einiger Recherche konnte mich das dann mehr überzeugen als alles andere und so studierte ich Wirtschaftsingenieurwesen mit Logistik als Schwerpunkt. Damit blieben mir praktisch alle Türen offen und ich hatte ein breites Spektrum zur Auswahl. Den Master mache ich gerade in Supply Chain Management. Ist jetzt so im Nachhinein doch nicht so ganz mein Fall, aber ich kann mich ja noch auf den Bachelor besinnen. ;-) Ich bin auch fast fertig, habe nur noch den Rest des Semesters, ein Auslandssemester und meine Masterarbeit vor mir. Wohin es danach geht - da bin ich noch ratlos und lasse es einfach auf mich zukommen. Mal sehen, wo ich einen Job finde. Und wenn mir die Richtung nicht gefällt, bewerbe ich mich halt woanders. Erstmal anfangen und Fuß fassen. ;-)

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    1. Es freut mich, dass dir der Post gefällt! :)
      Haha, ok ich dachte immer, dass wollen fast alle Kinder. Vielleicht war ich kleiner Streber aber ja auch die Ausnahme! :P
      Diese Tests fand ich für mich persönlich in der Oberstufe immer ziemlich sinnlos, ich wusste ja dann ziemlich bald was ich werden will und die Tests sind ja doch durchschaubar, so dass ich meist, ob bewusst oder unbewusst doch immer das genommen habe, von dem ich wusste, dass es auf meinen Berufswunsch zutrifft! :D
      Ach, jetzt wo du es schreibst - Bibliothekarin stand auch mal auf meinem PLan. Aber du hast schon recht, so richtig toll sind die Karrierechancen da auch nicht.
      Das ist doch super, dass du etwas gefunden hast, was dir gefällt. und den Master schaffst du jetzt auch noch! :)
      Liebe Grüße, Julia

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