[A lion's story] Meine Famulatur in der Kinder- und Jugendpsychiatrie


In meinem Monatsrückblick habe ich ja schon erwähnt, dass ich euch noch von meiner Famulatur in der Kinder- und Jugendpsychiatrie - oder kurz KJP - in Würzburg erzählen will. Deswegen gibt es heute einen Post dazu, was ich da so erlebt habe, was ich machen durfte und was ich gelernt habe!

Vielleicht noch einmal kurz die Info, was eine Famulatur ist. Das Medizinstudium ist in zwei Abschnitte aufgeteilt. Die ersten vier Semester nennt man Vorklinik. In dieser Zeit muss man drei Monate Pflegepraktikum absolvieren. Das kann man bereits vor Studienbeginn machen oder in den Semesterferien. Im klinischen Abschnitt muss man in den Semesterferien nochmal vier Monate Praktikum machen - und das nennt man dann Famulatur. Eine beim Hausarzt, eine in einer Praxis oder einer ambulanten Station und zwei in der Klinik. Ich habe mich also entschieden meine erste Klinikfamulatur in der KJP zu machen.

Eingeteilt wurde ich auf die geschlossene Intensivstation. Die Türen werden alle abgesperrt, nirgendwo kommt man ohne Schlüssel rein oder eben die Kinder raus. Die Zimmer werden mit Kameras überwacht und Fixierungen auf speziellen Matratzen stehen an der Tagesordnung. Direkt am ersten Morgen wurde mir eingeschärft nach dem Blutabnehmen den Stauschlauch oder das Desinfektionsmittel ja nicht im Zimmer der Kinder zu vergessen, damit sie sich selbst nichts antun. Da musste ich schon ganz schön schlucken. 

Ansonsten stellt man sich unter geschlossener Intensivstation ja ziemlich schlimme Sachen vor - wie man halt Psychiatrien aus Film und Fernsehen kennt. Klar, es sind schlimme Geschichten dabei und die Kinder haben zum Teil viel durchmachen müssen, aber es sind auch einige Jugendliche dabei, die beispielsweise nicht mehr in die Schule gehen, von zu Hause abhauen und mit Drogen herumexperimentieren. Also nicht direkt eine krasse psychiatrische Erkrankung haben. Auch solche Kinder werden aber oft in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht, um sie so vor sich selbst zu schützen und wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Zu meinen Aufgaben zählten die Blutabnahme, EKG-Auswertung, körperliche neurologische Untersuchungen und Gespräche und Beschäftigung mit den Patienten. Außerdem konnte ich mir zusammen mit den Psychologen des Teams verschiedene Testungen anschauen und auswerten, durfte bei Gesprächen mit den Pädagogen und Ärzten dabei sein und habe auch sonst an vielen Besprechungen und Fortbildungen teilgenommen. Insgesamt war das Praktikum schon sehr zuhör-lastig, es gab zwischendurch auch immer mal wieder Phasen, wo es für mich leider nicht so viel zu tun gab, trotzdem hat es wirklich Spaß gemacht.

Vor allem die Zusammenarbeit des Teams hat mir sehr gut gefallen. Es gibt keine Hierarchie oder Konkurrenzverhalten. Psychologen, Ärzte, Pädagogen, Sozialarbeiter und die Pflegekräfte arbeiten zusammen und unterstützen sich so gut es geht. In solch einem Klima zu arbeiten ist natürlich Gold wert! 

Auch wenn ich oft "nur" zuhören musste, habe ich viel gelernt. Ich habe das erste Mal am Patienten Blut abgenommen und grade, wenn fast jedes zweite Mädchen Angst vor Nadeln hat, ist das gar nicht so einfach. Ich habe alleine körperliche Untersuchungen durchgeführt und bin da jetzt deutlich routinierter geworden. Und natürlich habe ich auch theoretisch einiges Neues dazu gelernt - über psychische Erkrankungen, Therapiemethoden und Psychopharmaka. 

Und was ich davor nicht dachte beziehungsweise nicht richtig einschätzen konnte, ist wie sehr mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gefallen hat. Auch wenn einige der Kinder etwas nervig waren und man manchmal nur den Kopf schütteln konnte, sind sie als Patienten doch umgänglicher. Ich habe zumindest im Pflegepraktikum die Erfahrung gemacht, dass ältere Patienten mit ihren tausend Wehwehchen oft sehr viel weinerlicher und fordernder sind. ;)

Einen Tag war ich außerdem in einer Klinik für behinderte Kinder mit psychiatrischen Störungen. Es war mal interessant auch einen Einblick in diesen Bereich zu gewinnen, allerdings habe ich gemerkt, dass ich in der Nähe von geistig Behinderten einfach total gehemmt bin und mich dabei nicht wohl fühle. Ich habe wirklich großen Respekt vor jedem, der das gerne macht! Für mich ist es leider nichts.

Und mein Fazit zu der Famulatur? Ich fand es wirklich toll! Alle Punkte, die ich oben genannt habe, sprechen absolut für die KJP. Allerdings stehe ich ja doch am Anfang meines klinischen Abschnitts und habe von vielen Fachrichtungen ja noch gar keine Ahnung. Deswegen will ich nicht zu vorschnell urteilen, aber die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist auf jeden Fall etwas, was ich im Auge behalten werde!

Kommentare:

  1. Wow das ist wirklich krass, ich hätte niemals gedacht dass es wirklich so streng ist wie im TV wenn es um Gegenstände im Zimmer geht Oo ich muss gestehen, dass ich viel zu mitfühlend wäre, um bei irgendwem eine objektive Untersuchung zu machen xD wo machst du denn deine anderen Praktika? Und musst du immer jeweils 4 Monate machen? Wie lange geht denn das Studium? :O
    LG
    Deine sehr neugierige Nessa

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    1. Ja, doch da muss man schon drauf achten. Ich mein, wer will, schafft es immer sich irgendwie selbst zu verletzen, aber man versucht die Möglichkeiten so gering wie möglich zu halten!

      Ja, manchmal ist das schwer und man fühlt richtig mit. Aber das ist einfach Gewöhnungssache. Das lernt man früher oder später es nicht so an sich ranzulassen - muss man ja auch irgendwie! ;)

      Im Sommer werde ich zu einem Hausarzt gehen. Ansonsten weiß ich es noch nicht. Im Moment schweben mir Notaufnahme, Chirurgie und Onkologie vor. :) Neee, da hast du was falsch verstanden! Es sind vier Famulaturen à 30 Tage - also insgesamt 120 Tage!

      Das Studium dauert 12 Semester, also 6 Jahre. Danach kommt dann aber noch der zweite Teil der Staatsexamens-Prüfung! Also sind es so 6,5 Jahre.

      Ach kein Problem - du darfst so neugierig sein wie du willst! :D

      Liebe Grüße, Julia

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