[A lion's Story] #BloggerfürFlüchtlinge


Ich habe letztens einen Post von Frau Shopping gelesen. Sie schreibt über das, was im Moment wohl die ganze Welt bewegt und spaltet. Die Flüchtlingsfrage. Oder das Flüchtlingsproblem. Ich weiß gar nicht so recht, wie ich das nennen soll. Denn mir geht es ähnlich wie ihr. Es sind so viele Gedanken im Kopf, die man nicht einordnen kann, weil alles hin und her fliegt und jeden Tag von weiteren Nachrichten überschwemmt wird. Deswegen will ich jetzt einfach mal versuchen, die ganzen Worte aufs Papier zu bringen - im übertragenen Sinne natürlich.

Es ist einfach nur traurig. Das schreckliche Schicksal der Flüchtlinge, aber auch die Engstirnigkeit mancher Leute. Mir laufen Tränen runter, wenn ich höre und lese, dass Kleinkinder über Bord geworfen werden, weil sie nicht still genug waren. Dass Familien zerrissen werden. Dass Menschen ihr Leben riskieren, um überhaupt leben zu können. Und dass es dann noch Leute gibt, die sagen "Ich bin ja kein Nazi, aber...".

"Aber" zu sagen ist nicht schlimm. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Jeder darf Kritik üben. Und das ist auch richtig so. Es ist aber wichtig warum und wie man Aber sagt. Ich finde es ok und nachvollziehbar, wenn man die Politik kritisiert, die bei weitem nicht alles richtig macht. Wenn man sich vielleicht berechtigte Sorgen macht, ob das mit der Integration denn so klappt, wie es klappen soll. Wenn einem die anströmenden Menschenmassen etwas Angst machen. Man sollte nicht sofort die Nazikeule schwingen, nur weil jemand Aber sagt.

Es ist aber in keinsterweise in Ordnung Kritik an den Flüchtlingen selbst zu äußern, Beleidigungen zu schrei(b)en und Flüchtlingsheime nieder zu brennen. Meinungsfreiheit ist nicht das Zauberwort, dass einem Tun, Sagen und Lassen lässt, was man will. Denn was können diese armen Menschen dafür, dass sie hier gelandet sind? Wenn sie die Wahl gehabt hätten, wären sie wohl lieber in ihrer Heimat geblieben, als in Lebensgefahr in ein Land zu flüchten, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Einwohner sie ablehnen. Aber diese Wahl hatten sie nicht. Die Wahl hieß Leben oder Sterben. Und da hätte wohl jeder von uns die selbe Entscheidung getroffen. 

Es gibt Argumente, die ich einfach nicht mehr hören kann.

Deutschland soll erstmal seine eigenen Probleme in den Griff kriegen. Wenn sich plötzlich Leute über Pfand sammelnde Rentner und den Mangel an Kindergartenplätzen sorgen, denen das vor der Flüchtlingskrise sowas von am Arsch vorbei gegangen ist, könnte ich einfach kotzen. Ich gebe zu, ich kenne mich politisch nicht gut genug aus, um über solche Probleme der deutschen Politik zu urteilen, aber ich würde doch sagen, dass ich menschliches Verständnis beziehungsweise Einfühlungsvermögen habe. Und da ist ein ertrunkener Junge einfach schrecklicher als ein Kind, dass vielleicht noch etwas auf seinen Kindergartenplatz warten muss.

Aber die Flüchtlinge sind doch alle gewaltätig. Genau. Und wir Deutschen sind alle lammfromme Bürger, die keiner Fliege was zu Leide tun würden. Mörder, Vergewaltiger, Diebe und Arschlöcher gibt es in jeder Altersgruppe, in jeder sozialen Schicht und in jedem Nation. Ein kleines Gedankenspiel: Du sitzt eingepfercht mit tausend anderen Menschen in einem Lager. Dein "privater" Bereich ist vielleicht 2m² groß. Deine Eltern sind noch in deiner Heimat gestorben, deine Frau und deine Kinder hast du auf der Flucht verloren. Du bist allein unter vielen. Du bist voller Trauer und voller Hass. Und jetzt sag mir bitte nochmal, dass nicht auch möglicherweise DU aggressiv werden könntest. Dass deine Wut und Verweiflung fehlgeleitet wird und du beim Husten deines Bettnachbarn ausrastet und eine Schlägerei startest. Das soll kein Verteidigungsversuch oder sonstiges sein. Nur ein Versuch der Erklärung. 

Ach, und warum haben die Flüchtlinge dann alle Smartphones? Nicht alle Flüchtlinge sind arme Schlucker, die in ihrer Heimat in Lehmhütten auf Stroh geschlafen haben. Das sind studierte Leute, Menschen mit Ausbildung, die etwas gelernt haben. Die gearbeitet und Geld verdient haben. Und ein Smartphone hat doch heutzutage fast jeder. Und mal ehrlich, man trägt es doch fast ständig bei sich und wahrscheinlich wäre es auch das Erste, dass ich in meine Tasche stecken würde, wenn ich flüchten müsste. Vielleicht bekommt man ja die Möglichkeit so jemanden von seiner Familie oder seinen Freunden zu erreichen. Außerdem sind da vielleicht die letzten Bilder darauf, die man je von seinen Kindern zu sehen bekommt. Das sind alles nur Hypothesen von mir. Ich habe keine Ahnung, wie es wirklich ist oder welche Gedanken einem durch den Kopf gehen, wenn gerade Bomben das Haus, in dem man gelebt hat zerstören. Aber ob es nun ihr eigenes Handy ist oder ob sie es hier in Deutschland gespendet, geschenkt oder vom deutschen Staat finanziert bekommen haben, kann einem doch egal sein. Es ist ein verdammtes Handy und kein BMW oder eine Luxusvilla. Ich versteh einfach nicht, warum man sich darüber aufregen kann.

Das sind nur einige Auszüge von Argumenten, die man so im Internet liest, aber auch leider von Bekannten oder Verwandten zu hören bekommt. Und jede Gegenargumentation stößt auf taube Ohren. 

Wie oben schon geschrieben, finde ich durchdachte und berechtigte Kritik in Ordnung. Bei einigen Dingen denke ich auch etwas zwiegespalten und weiß natürlich auch, dass der Flüchtlingsstrom mit einigen Problemen verbunden ist. Ich glaube man erkennt aber ganz gut, wer sich wirklich Gedanken gemacht und eine eigene Meinung gebildet hat und wer nur dumm Sätze aus dem WWW wiederholt. 

Ich denke die entscheidenen Fragen, die man sich immer wieder stellen oder vor Augen führen muss, sind folgende: Was wäre, wenn ich in so in einer Situation wäre? Wie würde ich handeln? Wie würde ich mich fühlen? Und kann ich mir so etwas überhaupt vorstellen?? Habe ich überhaupt das Recht über diese Menschen zu urteilen?

Was will ich jetzt eigentlich mit dem ganzen sagen...ich denke ich wollte mir einfach mal den ganzen Frust von der Seele schreiben. Die Wut und die Enttäuschung über die Uneinsichtigkeit von so vielen. Die Verzweiflung und Trauer über das Leid von so vielen.  Ich weiß, dieser Post war vielleicht etwas wirr und es gibt auch noch so viel mehr zu sagen ... und doch fehlen einem die Worte.  

Ich möchte euch noch die letzten Links zeigen, die mich zu dem Thema bewegt habe.


Mehr über die Aktion #BloggerfürFlüchtlinge findet ihr auf dieser Seite. Ihr findet dort aktuelle Infos rund um das Flüchtlingsthema und habt auch die Möglichkeit zu spenden. Das Geld wird an verschiedene Projekte in ganz Deutschland verteilt. 

#refugeeswelcome

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